Einführung

(Am Ende finden Sie Hinweise zu weiteren Einführungen)

Lebendige Einblicke in die faszinierende Welt des frühen Christentums – das verspricht die Ausstellung „Bis an die Grenzen der Erde“. Sie wurde mit großem Erfolg bereits u.a. in Madrid, Chicago, St. Petersburg, Taipeh, Mailand und Rom gezeigt. Auf 46 Tafeln präsentiert, zeugen die Objekte der Ausstellung nicht nur vom Eintritt des Christentums in Geschichte und Kultur. Vielmehr offenbart sich hier eine vollkommen neue Perspektive für das Leben des Menschen. Denn Gott offenbarte sich den Menschen durch eine menschliche Wirklichkeit, in einem ganz bestimmten historischen Umfeld. Der christliche Glaube ist an ein Land gebunden: das Land, das Abraham verheißen wurde, das Land der zwölf Stämme Israels, das Land der Pro­phe­ten, das Land des Jesus von Nazareth, das Land der ersten christlichen Gemeinschaften, die aus dem Kreis der Jünger entstanden.

Die Ausstellung verfolgt den Weg des Christen­tums aus diesem Land, Palästina, über Kleinasien, Griechenland und Rom bis an die Grenzen des Imperium Romanum und damit der damals bekannten Welt. Sie spannt den Bogen sozusagen vom Nullpunkt der christlichen Zeitrechnung bis ins 4. Jahrhundert, als Kaiser Konstantin das Christentum zur Staats­religion erhob.

Die Ausstellung basiert auf der großen archäologischen Ausstellung „Dalla Terra alle Genti“, die vom 31.3. – 1.9.1996 in Rimini gezeigt wurde. Sie wurde durchgeführt von der „Associazione Meeting per l‘Amicizia fra i popoli“ in Zusammenarbeit mit der  Israel Antiquities Authority, Jerusalem, dem British Museum, Lon­don, den Vatikanischen Museen, dem Museo Nazionale und den Kapitolinischen Museen in Rom. Gut zwei Dutzend weitere Museen aus ganz Europa und dem Nahen Osten haben Ex­po­­nate dazu beigetragen, die zum Teil (wie die berühmten Fragmente von Qumran) zum ersten Mal außerhalb ihres Landes zu sehen waren. 

„Bis an die Grenzen der Erde“ ist gegliedert in vier Teile, deren erster, „Palästina zur Zeit Jesu“, das historische Umfeld, in dem Jesus und seine Jünger lebten, anschaulich macht. Er zeigt u.a. einen Schrein aus der Familie des Hohen­priesters Kaiaphas, den Sarkophag eines Sohnes des Simon von Zyrene und eine In­schrift mit dem Namen des Pontius Pilatus.

Der zweite Teil begleitet die Apostel auf ihren Mis­sions­reisen und zeigt, wie sich die christlichen Gemeinden allmählich über den ge­sam­ten Mittelmeerraum ausbreiteten. Dabei wird deutlich, wie sich das Christentum zu seiner Ausbreitung der konkreten geschichtlichen Gegebenheiten, beispielsweise der her­vor­ragenden Verkehrswege und Kommunika­tions­mittel des Römischen Reiches, bedient hat.

Wie aber bewegten sich nun die Christen innerhalb eines heidnisch geprägten Umfeldes? Diese Umstände, wie auch die Herausbildung einer eigenen christlichen Ikonographie beleuchtet die dritte Sektion. Sie zeigt, wie der christliche Glaube nach und nach alle Bereiche des Lebens und der Kultur (vom täglichen Leben über die Berufswelt und die Begräbnisriten bis hin zur sozialen Ordnung) durchdringt und umgestaltet. Beispiele dafür reichen von einfachen Gebrauchsgegenständen, die mit christlichen Symbolen versehen wurden, über kostbare Gefäße, die zunächst im Haushalt und dann in der Liturgie gebraucht wurden, bis hin zu Grabmälern und –inschriften. Die Andersartigkeit der christlichen Erfahrung wird auch am Widerstand der heidnischen Kulturen bis hin zu Verfolgung und Martyrium deutlich.

Den Abschluss der Ausstellung bildet die große Thematik der schriftlichen Tradition. Die berühmten Fragmente aus der Höhle 7 von Qumran werden hier ebenso behandelt wie das älteste Kodex-Fragment des Neu­en Testaments, der „Magdalen Greek-Papyrus“, sowie Fragmente der Papyri von Oxyrhynchos, der ältesten Abschriften des  Lukas- und des Johannesevangeliums.

 

Die Ausstellung ruft durch die verschiedenen Zeugnisse eindrucksvoll in Erinnerung, dass das Christentum als eine völlig unerwartete menschliche Erfahrung in die Welt kam, die durch ihre Anziehungskraft Menschen verschiedenster gesellschaftlicher Schichten und Kulturen in ihren Bann zog. In diesem Aufbruch zeigt sich die dramatische Situation des Menschen, der auf seiner unaufhörlichen Suche nach dem Geheimnis der Existenz plötzlich vor der Möglichkeit steht, dass dieses Geheimnis zum Gefährten des Menschen wird. Diese Herausforderung hat seit 2000 Jahren nichts an ihrer Aktualität eingebüßt. In diesem Sinne ist die Ausstellung ein wichtiger Beitrag zum großen Jubiläumsjahr der Kirche.

  Ausführlichere Einführungen finden Sie in den Vorträgen von:

Herrn Stefano Alberto

Dr. Jose Miguel Garcia Pérez

Herrn Javier Prades

Roter Faden durch die Ausstellung